Dass Feinstaub die Gesundheit belastet, steht inzwischen außer Frage und wird auch aus politischer Sicht ernst genommen. Weniger bekannt ist allerdings, dass Feinstaub auch mitbeteiligt ist am verstärkten Auftreten von Pollenallergie (Heuschnupfen). Einige Untersuchungen zeigen, dass dieser Einfluss sehr viel tückischer ist, als es zunächst erscheinen mag.
Als Feinstaub werden Schwebstaubpartikel bezeichnet, die sehr viel kleiner sind als herkömmlicher Staub, nämlich gerade einmal 5-10 Mikrometer (5-10µ) – das sind 0,005-0,01 Millimeter (fünf Tausendstel bis 1 Hundertstel). Noch kleiner ist der sogenannte Feinststaub oder lungengängige Feinstaub, dessen Partikel teilweise nur noch 2,5 Mikrometer klein sind. Bei einem hohen Anteil an Partikeln von nur noch 0,1 Mikrometer (ein Zehntausendstel Millimeter) spricht man von Ultrafeinstaub. All diese für das Auge unsichtbaren Kleinstpartikel entstehen zum Beispiel im Straßenverkehr durch den Abrieb der Reifen auf dem Asphalt oder aus dem Auspuff (Dieselruß), kommen aber auch aus Schornsteinen, Fabriken und Häusern.
Das Allergiepotenzial von Feinstaub wird durch Partikelgröße, Toxität und Oberfläche bestimmt
Die rein größentechnische Unterscheidung ist allerdings nur in einem Punkt wichtig: Die größeren Partikel bilden keine unmittelbare Gefahr für die Lunge, da sie nur bis in den Nasen-Rachenraum gelangen. Die 2,5µ-kleinen Partikel gelangen bereits bis zu den Bronchien vor. Je kleiner die Partikel sind, desto größer ist auch die Gefahr, dass sie beim Einatmen in die feinsten Lungenbläschen gelangen und dort auch über einen längeren Zeitraum bleiben. Dort führen sie zu Reizungen und Abwehrreaktionen des Immunsystems. Es besteht zudem der Verdacht, dass die ultrafeinen Partikel entlang des Riechnervs bis in das Gehirn gelangen und dadurch Intelligenz und Gedächtnisleistung beeinträchtigen.
Neben der Größe der Feinstaub-Partikel spielen aber auch andere Stoffeigenschaften eine große Rolle, vor allem deren Toxität und Oberfläche.
Ein dritter Aspekt ist das Phänomen, dass Feinstäube sich an Blütenpollen anheften und deren allergene Wirkung dadurch noch verstärken, sie also noch aggressiver machen.
Feinstaub kann somit Allergien entstehen lassen, aber auch bereits bestehende Allergien verstärken. So zeigen Studien, dass ein Zusammenhang besteht zwischen verkehrsbedingtem Feinstaub und dem Risiko, an asthmatischer Bronchitis, Heuschnupfen zu erkranken. Einerseits können die Pollen durch den Feinstaub tiefer in die Lungen eindringen. Andererseits begünstigen die Feinstaubpartikel die Freisetzung sogenannter Pollen-assoziierter Lipidmediatoren (LPMs), so dass bereits bestehende Allergien wie eine Pollenallergie noch verstärkt werden. Interessanterweise gilt dies anscheinend nicht für Stallstaub: Dieser enthält unter anderem ein Zuckermolekül von Futterpflanzen. Möglicherweise ist dies auch ein Grund dafür, dass Landkinder mit viel Stallkontakt seltener an Allergien erkranken als Stadtkinder.
Hier gelangen Sie zu den weiteren Teilen der Artikel-Reihe Pollenallergie:
Teil 2: Einfluss von Haustieren auf Pollenallergien
Teil 3: Alkohol kann Heuschnupfen verschlimmern