Die Birkenpollen-Allergie und damit verbundene Kreuzallergien zählen in Österreich zu den häufigsten allergischen Erkrankungen. Betroffene leide nicht nur während der Pollenflugsaison, sondern ganzjährig durch die damit verbundenen Nahrungsmittelallergien gegen Apfel, Haselnuss oder Karotte. Forscher der MedUni Wien sind nun den Ursachen auf der Spur, um hochwirksame Impfstoffe zu entwickeln. Diese sollen nicht nur die Birkenpollen-Allergie bekämpfen, sondern auch mögliche Kreuzreaktionen. Eine Studie für Impfstoffe gegen Kreuzallergien startet noch im Herbst.
Klinische Studie für neue Impfstoffe startet im Herbst
Barbara Bohle vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien steht nun vor dem Durchbruch für eine neue, wirksamere Generation an Impfstoffen: „Die bislang verwendeten Impfstoffe haben einen großen Nachteil. Sie wirken zwar gegen das Birkenpollen-Allergen, helfen aber nur selten bei Kreuzallergien.“ Für die neuen Impfstoffe will Bohle deshalb nur das reine Allergen – statt des konventionellen Proteingemisches - verwenden. „Davon versprechen wir uns auch für die Behandlung von Nahrungsmittelallergien einen Erfolg“, so Bohle. Im Herbst startet die Forscherin eine entsprechende klinische Studie, bei der Nahrungsmittelallergien erstmals mit dem entsprechenden Allergen behandelt werden. Bohle: „Konkret heißt das, dass wir zum Beispiel eine Apfelallergie mit dem Allergen des Apfels behandeln.“
Kreuzallergien: Der Apfel fällt nicht weit vom Birkenstamm
Wichtige Grundlagen für diesen neuen Therapieansatz stammen von Heimo Breiteneder vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der MedUni Wien. Ihm gelang der Nachweis, dass das Birkenpollen-Allergen zu einer übergeordneten „Superfamilie“ von Molekülen mit gleicher Molekülstruktur gehört. Dazu Breiteneder: „Aufgrund der Evolution von einem gemeinsamen Vorläufer, sind die heute rund 16.000 bekannten Vertreter dieses Molekültyps in Bakterien, Pflanzen und Tieren weit verbreitet. Allerdings wirken nur rund zehn davon als Allergen. Neben dem Birkenpollen-Allergen unter anderem auch das im Apfel enthaltene Allergen.“
Den Ursachen auf der Spur
Breiteneder nimmt an, dass ein Vorläufer des Birkenpollen-Allergens „Bet v 1“ in früher Vorzeit für den Organismus eine Gefahr darstellte, auf die sofort reagiert werden musste. „Die Nahrungsmittelallergien sind sozusagen die Ausläufer dieses Mechanismus, der vom Birkenpollen-Allergen angeschalten wird. „ Breiteneder weiter: „Bestätigt sich diese Annahme, wäre das ein weiterer wesentlicher Schritt, um die Ursachen für das Entstehen von Allergien zu verstehen.“ Breiteneder ist übrigens ein Pionier der Allergenforschung, 1988 identifizierte er mit „Bet v 1“, erstmals ein Protein der Birkenpollen als Auslöser der Birkenpollenallergie, weltweit das erste pflanzliche Allergen auf molekularer Ebene.
Wissenswertes über die Birkenpollen-Allergie
Alleine in Österreich sind rund 400.000 Menschen von einer Birkenpollen-Allergie und damit verbundenen Nahrungsmittelallergien betroffen, insbesondere gegen Apfel, Pfirsich, Haselnuss, Karotte und Sellerie. 70 Prozent aller Birkenpollenallergiker leiden an solchen Kreuzallergien. Ein besonderes Problem: Die Nahrungsmittelallergie besteht bei den meisten Betroffenen (86 Prozent) ganzjährig, also nicht nur während der Pollensaison im Frühjahr.
Quelle: MedUni Wien, Bild: © Thomas Siepmann/pixelio.de
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